Der
Provenienzname (Ursprung, Herkunft) Kaschghulibaff ist erst neueren Datums und bezeichnet
Orientteppiche, die der Tradition der Ghaschghai-Knüpfungen folgen, jedoch im Gesamtbild viele Neuerungen und Weiterentwicklungen zeigen. In Fachkreisen gelten die Kaschghulibaffs gewissermaßen als veredelte Nachfolger der
Gabbehs.
Beide Knüpfteppichtypen werden zur Hauptsache vom Gaschghai-Großstamm der Kaschghulis geknüpft. Ihre älteren werden zur Unterscheidung Kaschghuli-Ghaschgai genannt. Die Zusatzsilbe “baff“ bedeutet soviel wie Teppichknoten, also frei übersetzt:
Kaschghuli-Knüpfung. Die Provenienzbezeichnung ist jedoch mehr als Gattungsname zu verstehen, denn dieser Teppichtyp wird mittlerweile auch von anderen, in der Provinz Fars ansässigen Ethnien geknüpft. Daher auch die allerdings selten auftauchende Bezeichnung Fars(i)baff für diesen Teppichtyp.
Wie der Flor bestehen
Kett- und
Schussgarne traditionell ebenfalls aus Schafwolle. Dennoch gibt es vereinzelt auch
Grundgewebe aus Baumwolle. Geknüpft wird mit dem
Türkischen Knoten, auch Gördes, Turkbaff oder
Symmetrischer Knoten genannt. Die Knüpfdichten liegen normalerweise
zwischen 80.000 und 120.000 Knoten/qm. Hin und wieder tauchen jedoch auch feinere Knüpfungen mit gut 150.000 Knoten/qm im Handel auf. Farben und Dessins (Musterung, Zeichnung) verweisen eindeutig auf die Vorläufer, die bereits erwähnten Ghaschghai-Knüpfungen der verschiedenen Gliedstämme.
Kaschghulibaffs werden allerdings auch von anderen Ghaschgai-Stämmen als den Kaschghulis geknüpft, werden aber grundsätzlich unter der genannten Bezeichnung oder als
Risbaff, frei übersetzt “Feinknüpfung“, gehandelt. Diese, gewissermaßen klassifizierende Bezeichnung, ist ein deutlicher Hinweis auf den Vorläufer, den erheblich gröberen Gabbeh, der durch den Kaschghulibaff ein gewisses Trading-up erfährt. Die kaum zu unterscheidenden, artverwandten Knüpfungen der Luren werden Lori- oder
Luribaff genannt.
(Abb.: Kaschghulibaff)