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Teppich-Lexikon

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Tschintamani

Auch Dreikugelmotiv genannt

Das stark abstrahierte Muster zeigt immer zwei kurze, parallel laufende Wellenlinien, wahrscheinlich Wolkensymbole, über denen drei pyramidenförmig angeordnete Punkte thronen. Daher die Bezeichnung Dreikugelmotiv.

Es taucht schon im 3. Jahrhundert auf sassanidischen Bannern auf, woraus zu schließen ist, dass die Ursprünge des Tschintamani sehr wahrscheinlich noch weiter zurückliegen. Mit ziemlicher Sicherheit stammt es jedoch ursprünglich aus dem innerasiatischen Raum, was dazu führte, in ihm eine chinesische oder zumindest von dort beeinflusste Herkunft zu vermuten. In dieser Annahme wird es heraldisch als Blitz und Donner oder auch als Wolke und Mond interpretiert.

Seine Abstraktion und uralte Geschichte machen es schwer, den Symbol- und Sinngehalt verlässlich zu erfassen, sodass sich die Kunsthistoriker über die Bedeutung uneins sind. Der Kunsthistoriker Wilhelm von Bode sah im Tschintamani eine Abstrahierung des Pantherfells und zwar mit Hinweis auf die turanischen Herrscher der Vorzeit, die diesen Schmuck als Zeichen ihrer Würde trugen. In Innerasien lebt heute noch der Schneeleopard. Von einigen wird das Tschintamani Dschingis Chan (1156-1227) als dessen Tamgha zugeschrieben. Tamghas sind Brandzeichen mit denen die Vieh züchtenden Turk- und Mongolenstämme Innerasiens ihren lebenden und toten Besitz brandmarkten. Bekannt ist, dass Timur Lenk (1387-1405), der im Abendland auch Tamerlan genannt wird, das Tschintamani als sein ureigenes Stammeszeichen beanspruchte und mit ihm die Behauptung verband, er sei ein Nachfahr Dschingis Chans und genealogisch der allein berechtigte, dieses Wappen zu führen zu. Als Zeichen seiner Herrschaft ließ Timur sein Tschintamani in allen von ihm eroberten Gebieten als Symbol seiner Macht und Schreckensherrschaft aufpflanzen. Später wurde dieses Muster als Gestaltungselement von den osmanischen Sultanen vereinnahmt. Es findet sich unter anderem auf einem Brokatornat von Sultan Selim I. (1512-1520). Seit dieser Zeit taucht es auch in Teppichen durchgängig bis heute auf.