Kibek Teppich-Lexikon

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Patchwork

Ein aus Teppichstücken neu zusammengesetzter Teppich

Patchwork_PersischerKelimCollage

Bis vor einigen Jahren kamen einem bei dem Wort Patchwork (engl. „patch“ für flicken) amerikanische Decken in den Sinn, die aus unterschiedlichen Stoffflicken kunstvoll zusammengesetzt werden. Doch dies hat sich durch den Siegeszug eines Teppichdesign-Trends gründlich geändert. Patchwork-Teppiche wurden Anfang des 21. Jhdt. in der Türkei erfunden. Ein Istanbuler Anbieter trägt wesentlich den Verdienst an dem Konzept, aus zerschlissenen türkischen handgeknüpften Teppichen, die guten Stellen herauszuschneiden und diese zu neuer, abgepasster Ware zusammenzusetzen. Ursprünglich suchte man sorgfältig nach Stücken, die farblich und von der Musterung harmonierten, die Nähte waren robust und die Rückseiten hinterfüttert. So bekam orientalische Volkskunst ein zweites – modisches – Leben. Die Teppiche wurden auf der größten Teppichmesse der Welt, der Domotex in Hannover, angeboten und trafen den Zeitgeist. „Upcycling“ (aus dem Englischen up für „hoch“ oder „auf“ und recycling für „Wiederverwertung“) war und ist in. Abfall war nicht mehr Müll, sondern wurde als Rohstoff für neue Produkte angesehen und verwendet.

Die Idee wurde vielfach kopiert und verselbständigte sich immer mehr als reine Einrichtungsmode ohne künstlerischen oder ideologischen Inhalt. Heute werden die Teppiche für die Patchworks sogar extra zum Zerschneiden geknüpft, farblich unpassende Stücke gebleicht und überfärbt. Es gibt sogar Varianten die als vollständige neue Teppiche in einem Stück geknüpft werden. Auch die Maschinenweber haben das Thema aufgegriffen und haben Teppiche mit Patchwork-Optik im Programm.

(Abb.: Persischer Kelim Collage)