Kibek HäuserAktueller ProspektDirektbestellungNewsletterKatalog anfordernKontaktJobbörseTeppich-LexikonLogin
Die Nr. 1 für Teppiche weltweit
2-3 Werktage Lieferzeit
100 Tage Rückgaberecht · Kostenlose Retoure
Kauf auf Rechnung · PayPal · Sofortüberweisung
zurück  | 

Teppich-Lexikon

A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z

Moschkabad, Mushkabad

iranische Orientteppichprovenienz

In den 1950er/60er Jahren war die Provenienzbezeichnung (Ursprung, Herkunft) Moschkabad im Handel eher ein abfällig gemeintes Synonym für grob geknüpfte Teppiche aus dem Sarough-Arak-Gebiet West-Persiens. Dies ist insofern auch verständlich, weil die Knotendichten der seinerzeitigen Moschkabads zwischen 120.000 und maximal 160.000 Knoten pro Quadratmeter lagen, also mit den aus der gleichen Gegend stammenden, nur geringfügig besseren Mahals vergleichbar waren. Zudem wurde recht viel Gerberwolle verknüpft.
 
Zurückzuführen sind diese Knüpfdichte und das bedenkliche Flormaterial auf die im letzten Viertel des 19. Jahrhundert angelaufene Produktion von Exportware, bei der die Moschkabads wegen ihres geringen Preises zu den gesuchten Provenienzen gehörten. Auftraggeber seinerzeit waren so berühmte Firmen wie Ziegler & Co., Hotz and Son und später auch die in Berlin beheimatete PETAG. Laut A. Cecil Edwards (The Persian Carpet) kann Moschkabad dennoch auf eine stolze Teppichtradition verweisen, denn ohne Zweifel wurden in dieser Stadt und ihrer Umgebung zuvor einst die in viktorianischen Zeiten in England so beliebten, dunkelblaugrundigen Ferahans geknüpft.

In Folge der heute immer noch andauernden Renaissance der Ziegler-Dessins (Musterung, Zeichnung), taucht seit einigen Jahren auch der Moschkabad im traditionellen Gewand wieder auf. In Anlehnung an die damalige Farbgebung sind die heutigen Knüpfungen ebenfalls hellgrundig und zeigen einen großzügigen, den Sarough-Dessins (Musterung, Zeichnung) entsprechenden Duktus (Stil, Stilrichtung), allerdings nach wie vor meist ohne Medaillon . Die heutige Knüpfung und handwerkliche Verarbeitung ist allerdings fester und auch erheblich feiner als die der historischen Ziegler-Moschkabads. Sie liegt zwischen 180.000 und 250.000 Knoten pro Quadratmeter. Außerdem ist die heutige Florwolle von sehr guter Qualität.

In der jüngeren Geschichte nimmt Moschkabad eine unrühmliche Stellung ein. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ließ der Kadjaren-Schah Fath Ali (1797-1834) die Stadt wegen der rebellischen Bürger, die ihm die Steuern verweigerten, von seinem Militär zusammenkartätschen. Im Anschluss ließ er dann in etwa dreißig Kilometern Entfernung die Stadt Sultanabad (seit 1936 Arak) errichten. Damit wollte der Kadjaren-Schah erreichen, dass die einstmals blühende Provinzmetropole nie wieder ihre vorherige Bedeutung zurückgewinnt. So kam es dann auch.
 
(Abb.: Moschkabad)