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Mein Kibek-Haus Haus ändern
Historisches Gebäude mit Kuppel zeigt Menschen, die im weitläufigen Hof spazieren.

Auf Einkaufsreise in Indien

NAMASTE & WILLKOMMEN IN INDIEN

Indien, ein Land der Extreme und Kontraste! Es gibt wohl kaum ein anderes Land auf der Welt, welches mehr Gegensätze aufzeigt. Es ist ohne Frage eines der bevölkerungsreichsten Länder weltweit. Es liegt auf dem indischen Subkontinent und zählte 2020 offiziell ca. 1,38 Milliarden Einwohner. Indien be- und verzaubert, fasziniert, aber es polarisiert auch. Wollt Ihr wissen, welche Teppiche hier hergestellt werden und wie eine typische Geschäftsreise nach Indien aussieht? Dann begleitet mich auf einer spannenden und abenteuerlichen Reise durch das farbenfrohe Indien.


BEDEUTUNG INDIENS FÜR TEPPICHE

Indien ist als Exporteur von Rohstoffen und Textilien weltbekannt. Für Kibek ist Indien eines unserer Herkunftsländer für Teppiche. Daher fahre ich als zuständige Einkäuferin, mit meinen Kollegen, mehrmals im Jahr hier hin. Die Vielfalt, die Indien an Teppichen zu bieten hat, ist enorm. Oftmals ist ein Herstellungsland für eine bestimmte Kategorie an Teppichen bekannt: In Persien, beispielsweise, kaufen wir die beliebten Orientteppiche. In Marokko wiederum Berber-Teppiche. Belgien ist für die Herstellung von maschinengefertigter Ware bekannt.

Indien hingegen hat ein überdurchschnittlich großes Spektrum an Herstellungsmethoden und somit auch eine besonders große Auswahl. Als Einkäuferin freue ich mich daher auf die Indienreisen oft am meisten, da hier die Vielfalt im Vordergrund steht. Angefangen mit modernen Flachgewebe- und Jute-Teppichen, über Kelims, die sehr beliebten Handwebteppiche, aber auch traditionelle Teppiche wie Gabbehs, indische Berber- oder die besonders hochwertigen Kaschmir-Seide-Teppiche kaufen wir in Indien ein. Aufgrund dessen sind die Indienreisen oftmals die zeitlich am aufwändigsten Reisen, da es viele Lieferanten zu besuchen und verschiedene Qualitäten zu prüfen gilt.


Pflanzen hängen und stehen im hellen Zimmer mit weißem Wandbehang über einem Bett mit weißen Kissen
In Indien entdeckt: Der moderne Flachgewebeteppich LAELIA wird aus 80% Hanf und 20% Schurwolle gewebt.

EINKAUFSREISE IN INDIEN: EIN TYPISCHER ARBEITSTAG

Früh morgens klingelt der Wecker. Im ersten Moment muss ich mich kurz entsinnen, wo ich bin, aber spätestens nach einem Kaffee bin ich startklar. Ein Fahrer holt meine Kollegen und mich im Hotel ab und los geht’s. Der erste Lieferantenbesuch steht an. Wir sind auf der Suche nach neuen innovativen Teppichen und haben große Hoffnung viele schöne neue Kollektionen zusammenstellen zu können.


AUTOFAHRT MAL ANDERS

Normalerweise würde ich auf Autofahrten versuchen etwas Schlaf nachzuholen. Aber hier in Indien gelingt es mir nicht. Eine permanente Geräuschkulisse von hupenden Tuk Tuks, Mopeds und vielen anderen Fortbewegungsmöglichkeiten herrscht hier vor. Mittendrin etliche Fahrradfahrer, denen wir auch auf dem Highway ausweichen müssen. Buntbemalte LKWs, wie man sie sonst nirgendwo sieht, dominieren die Straßen. Und nicht zu vergessen, die heiligen Kühe. Ich bin jedes Mal wieder fasziniert, dass die Kühe wirklich überall anzutreffen sind. Ob ein Mittagsschläfchen auf der Autobahn, ein kleiner Spaziergang auf dem Marktplatz oder das Menschentreiben in der Innenstadt beobachtend. Die indischen Kühe lassen sich durch nichts und niemanden irritieren. Nach wenigen Metern auf unserer Autofahrt brechen wir bereits das erste Mal die Straßenverkehrsordnung. Ich fühle mich auf Indiens Straßen oft wie in einem Actionfilm. Bloß nicht vom Gas gehen und am besten niemals jemandem die Vorfahrt gewähren. So lautet hier die Devise. Und daran hat sich in all den Jahren nichts geändert. Jede Autofahrt in Indien gleicht einem Abenteuer. Die Inder scheinen das rasante Zig-Zag Fahren im Blut zu haben.


Drei Kühe liegen auf der Straße, während Menschen und Fahrzeuge im Hintergrund gehen und fahren.

Und dann, wie sollte es anders sein, stehen wir im Stau. Das ist jetzt keine große Überraschung, denn egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit man auf Indiens Straßen unterwegs ist, man braucht eine Menge Geduld, Zeit und nochmals Geduld! Aus jahrelanger Erfahrung kennen wir bereits die Notwendigkeit immer etwas zeitlichen Puffer in den jeweiligen Tagesablauf einzukalkulieren. Aber zum Glück haben wir einen zuverlässigen Fahrer, den wir ebenfalls schon seit mehreren Jahren kennen und der uns jedes Mal wieder hilft, den straffen Zeitplan einzuhalten. Ich nutze das langsame Vorankommen und beobachte das Treiben auf den Straßen. Schulkinder in ihren Uniformen weichen beim Überqueren der Straßen gekonnt den vorbeifahrenden Mopedfahrern aus, eine kleine Familie belädt ein bereits überfülltes Tuk Tuk mit ihren Einkäufen und natürlich quetschen sich noch weitere Passagiere in bzw. auf das beliebte indische Dreirad. Einige Meter weiter steht ein kleiner Hocker am Straßenrand, ein Spiegel ist im Baum angebracht. Hier lässt sich der Inder früh morgens den Bart rasieren. Daneben tuschelt eine kleine Gruppe Frauen. Sie fallen durch ihre farbenfrohen Saris, ein traditioneller Wickelrock, extrem auf und verkörpern den einmaligen Bollywood Flair. Es macht mir jedes Mal wieder richtig Spaß, die Frauen dabei zu beobachten, wie sie mit Stolz und Freude ihre Kleidung, in den sonst eher chaotischen Straßenverhältnissen Indiens, präsentieren.


ANGEKOMMEN, DIE ARBEIT KANN BEGINNEN

Nach einem kurzen Smalltalk mit unserem Lieferanten, führt er uns in seinen Showroom, wo er uns mit Stolz seine neue Teppich-Kollektion vorstellt. Wir sehen uns jeden Teppich einzeln an. Bei einigen ist uns schnell klar, dass diese für den deutschen Markt nicht in Frage kommen. Andere Neuheiten können wir uns sehr gut in unserem Sortiment vorstellen. Wir machen Fotos von jedem ausgewählten Teppich und geben Beispiele für weitere Farbvorstellungen ab. Die Konditionen werden besprechen, auf dem Laptop wird alles dokumentiert und anschließend verabschieden wir uns höflich. Weiter geht es zum nächsten Termin.


EINE INSPEKTION STEHT AN

Als nächstes besuchen wir einen Lieferanten, der eine Bestellung von uns fertig produziert hat. Wir kontrollieren jetzt gemeinsam, ob die fertig produzierten Teppiche unseren Ansprüchen gerecht werden. Bei einer Inspektion haben wir einige wichtige Punkte zu berücksichtigen:

  • Entsprechen alle produzierten Teppiche den vorgegebenen Größen?
  • Ist das im Vorfeld verhandelte Gewicht eines jeden Teppichs korrekt?
  • Ist die Verarbeitung der Teppiche einwandfrei?
  • Entsprechen die produzierten Farben unseren Vorgaben?


Teppich mit farbigem Muster zeigt zwei quadratische Ausschnitte auf einer weißen Karte.

Zusätzlich kontrollieren wir die Verpackung und die korrekte Nummerierung der Teppiche, sodass diese nach der Verschiffung direkt in unsere 16 Kibek-Filialen verteilt werden können. Inspektionen nehmen immer verhältnismäßig viel Zeit in Anspruch, da unsere Erwartungshaltung hoch ist und wir die Inspektionen sehr gründlich durchführen. Wir teilen uns aber im Team gut auf und kommen daher schnell voran


ES WIRD ANSTRENGEND

Mittlerweile umgibt uns eine kaum erträgliche Hitze. Temperaturen weit über 40 Grad sind in Indien keine Seltenheit. Auch wenn ich eigentlich ein Mensch bin, der gut mit Wärme umgehen kann, komme ich hier oft an meine Grenzen. Die Kombination aus extremen Temperaturen und schwerer körperlicher Arbeit – ich habe mir früher nie Gedanken dazu gemacht, wie schwer Teppiche eigentlich sein können – steigern meine Vorfreude auf eine kalte Dusche am Ende des Tages.


„BE CREATIVE“ – DAS MOTTO BEIM NÄCHSTEN TERMIN

Auf unseren nächsten Lieferantentermin freue ich mich ungemein. Mit diesem Lieferanten arbeiten wir bereits seit vielen, vielen Jahren eng und sehr erfolgreich zusammen. Es ist einer der größten Teppichhersteller Indiens und aufgrund seines eigenen Design-Teams besonders kreativ. Mit den Designern setzen wir uns gemeinsam an den Tisch, besprechen unsere zukünftigen Trendthemen und erarbeiten zusammen neue Produktideen. Diese kreative Arbeit macht mir persönlich immer am meisten Spaß. Alle Köpfe brodeln nur so vor neuen Ideen und Farbfächer kommen zum Einsatz. Wir diskutieren teilweise stundenlang über eine Farbe. Soll die Farbe etwas heller oder doch etwas kräftiger und dunkler sein? Welche Muster werden zukünftig im Trend liegen und welches Material wollen wir verwenden? Nach dem Termin freue ich mich schon die ersten Entwürfe sowie Muster zu sehen.


Handhabbares Gerät spannt rote Fäden auf weißem Stoff mit blauen und roten Mustern.

FABRIKBESICHTIGUNG MIT KNÜPFUNTERRICHT

Ein weiteres Highlight wartet bei dem nächsten Termin auf mich. Wir besichtigen bei einem Lieferanten unangekündigt die Fabrik und kontrollieren somit persönlich die Arbeitsbedingungen. Die sozialen Bedingungen sind uns allen sehr wichtig und auf jeder Reise planen wir solche Besuche mit ein. Am Ende der Begutachtung nutze ich die Chance in einer Fabrik zu sein und lasse mir, mal wieder, das Knüpfen eines Teppichs zeigen. Eine Knüpferin nimmt sich mir an und will mir einen Knüpfknoten beibringen. Alle Augen in der Fabrik sind auf mich gerichtet und mir ist bewusst, dass ich jetzt performen muss. Geschafft! Der erste Knoten ist gemacht, aber ich bringe einfach nicht dieses Fingerspitzengefühl mit, mit dem die Knüpfer vor Ort in Windeseile einen Knoten nach dem anderen tätigen. Alle lachen, jedoch gibt die Knüpferin mich noch nicht auf. Sie übt ein wenig mit mir, bis ich es etwas besser schaffe. Auch wenn ich vermutlich niemals so gut wie die Knüpfer werde, hilft es mir sehr, ein Verständnis für diese Handarbeit und den Zeitaufwand für die Herstellung eines handgeknüpften Teppichs zu bekommen. Ich bin dankbar für diese Unterrichtstunde und ich glaube, auch die Knüpferin hatte ihren Spaß dabei.


Frau webt Teppich an Webrahmen, Umgeben von groben Teppichfäden und Holzrahmen.

KENNENLERNEN EINES POTENTIELLEN NEUEN LIEFERANTEN

Als nächstes steht noch ein Besuch eines neuen Lieferanten auf dem Plan. Per E-Mail melden sich regelmäßig neue Lieferanten bei uns. Bei diesem Lieferanten sehen wir großes Potential und wir klären zu Beginn gemeinsame Ziele, Konditionen und wie wir uns eine mögliche Zusammenarbeit vorstellen. Der Fabrikkomplex wird besichtigt und wir führen einige Qualitätstests an vorliegenden Mustern durch, so dass wir uns einen ersten Eindruck der Gegebenheiten machen können. Gemeinsam einigen wir uns darauf, dass der Lieferant einige Muster für uns anschiebt. Zu einem späteren Zeitpunkt werden wir diese in der Kibek Zentrale mit weiteren Kollegen begutachten und über die mögliche Aufnahme des neuen Lieferanten sprechen.


DER TAG NEIGT SICH DEM ENDE ZU

Müde und kaputt von dem anstrengenden Arbeitstag, aber auch glücklich so viele neue Teppichideen gefunden zu haben, steigen wir ins Auto und treten die Heimfahrt gen Hotel an. Es dauert nicht lange und was passiert? Genau, wir stehen im Stau! Da es mittlerweile dunkel ist und ich draußen kaum etwas erkennen kann, fallen auch mir jetzt die Augen kurz zu. Im Hotel angekommen freuen sich alle Kollegen auf eine Dusche und ein anschließendes kühles Feierabendgetränk, bei dem wir uns über den Tag austauschen und die Planung der kommenden Tage besprechen. Dann heißt es: Gute Nacht Indien!


INDIEN UND MEIN PERSÖNLICHES EMPFINDEN

Die Arbeitstage sind oft lang und anstrengend. Wir kommen nicht als Touristen, die hier ihren Urlaub verbringen, sondern wir arbeiten hier. Dabei verbringen wir viel Zeit mit Einheimischen, was uns eine einmalige Möglichkeit bietet, Land und Leute auf eine ganz besondere Art und Weise kennenzulernen. All das, die atemberaubenden Landschaften, die wir auf den Fahrten kennenlernen, die unvergleichliche Kultur, die vielen köstlichen (und oftmals sehr scharfen) Gerichte sowie die unzähligen tollen Menschen, machen Indien zu einem der wundervollsten, vielfältigsten und gleichzeitig inspirierendsten Länder der Welt – zumindest für mich. Ich freue mich schon jetzt mit meinen Kollegen wieder in das Land der Gegensätze zu reisen.

Indien, wir kommen bald wieder!


Frau sitzt auf gestapelten Teppichen in einem Raum mit beigen Wandteppichen und lächelt.
Alexandra Schubert
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