Abrash
Fachausdruck für orientteppichspezifische Farbsprünge
Abrash sind gering bis deutlich abweichende Farbtonänderungen im Florgarn eines Orientteppichs. Diese Hell-Dunkel-Farbschattierungen verlaufen immer quer zur Längsrichtung des Teppichs. Im Deutschen wird Abrash auch Farbsprung genannt. Das Wort Abrash bedeutet im Türkischen so viel wie scheckig, Schattierung. Abrash fällt besonders auf flächigen Farbbereichen auf und ist ein Phänomen, das in Orientteppichen recht häufig vorkommt. Demzufolge gelten sie als orienttypische Eigenart. Insbesondere bei Nomaden- und Bauernteppichen gehören sie quasi dazu, werden zumindest - je nach Standpunkt des Interessenten - toleriert oder sind sogar erwünscht. Hochfeine Manufakturteppiche sollten jedoch frei von Abrash sein. Die Ursachen von Abrash sind vielfältig: Beim Einfärben per Hand weichen die Farbstoffmengen gegenüber der vorhergehenden Färbecharge geringfügig ab und verändern so den Farbton. Auch unterschiedliche Naturwollfarben, die von Beige über Braun bis Schwarz reichen, können die Ursache sein, denn die Farben werden unterschiedlich von der Naturwolle angenommen. Ausschlaggebend sind ferner die unterschiedlichen Temperaturen der Farbflotte, differierende Konsistenz des Farbstoffs - insbesondere bei Naturfarbstoffen -, intensiveres oder kürzeres Kochen, Sonnentrocknung des Färbegutes, verschiedenartige Beizen zum Aufschließen des Keratins (Protein in der Wolle), Restfettgehalt der Wolle, Mineralgehalt und ph-Wert des Wassers, Farbreaktionen bei einer Veredelungswäsche, usw. Abrash sind ein so spezifisches, teils auch Muster belebendes Orientteppichmerkmal, dass sie in industriell gefertigten Teppichen sogar als produktspezifisches Musterelement nachgeahmt werden.(Abb.: Persischer Gabbeh)