Hamadan
Nordwestpersischen Teppichprovenienz
Hamadan ist eine der ältesten Städte Persiens im Nordwesten des Landes. Vielleicht ist Hamadan sogar die älteste Stadt. In der antiken Welt war Hamadan die Hauptstadt der Meder und hieß „Ekbatana“. Von hier aus sollen die Heiligen Drei Könige in Richtung Bethlehem aufgebrochen sein.
Hamadan liegt auf einer Hochebene inmitten eines gut bewässerten Obstanbaugebietes. Es ist unter anderem bekannt für das Mausoleum Avicennas und das angebliche Grab von Esther, der jüdischen Gattin des persischen Achämeniden-Königs Xerxes I., und von Mordechai, dem Onkel und Adoptivvater Esters.
Die Gegend um Hamadan ist die produktivste Teppichknüpfregion Persiens und, durch die vielen umliegenden Dörfer, sehr vielseitig in der Musterung. Stadtknüpfungen in privaten Manufakturen weisen ein eigenes Dessin auf, während in den Dörfern um Hamadan noch die ursprünglichen Dorfteppiche geknüpft werden.
Meistens sind die Muster der Hamadan-Tppiche einfach geometrisch oder floral. Verbreitet sind auch Herati gemusterte Innenfelder. In den Bordüren wiederholen sich die Musterdetails zwar in der gleichen Form, nicht aber in den gleichen Farben. Der Flor aller Hamadan-Teppiche ist aus reiner Wolle, das Grundgewebe meist aus Baumwolle.
Zu den Unterprovenienzen gehören Mehrbaran, Khamseh, Derganzine, Zarand, Saveh, Maslaghan, Tafresh, Bibikibad, Endjelas, Borchalou, Hossainabad, Nahavand, Tuisarkan, Azyndariyan, Djozan, Dorojasin, Mousel, Chenar, Darjazin, Tadjabad und Zagheh.
Einige Beispiele:
Borchalou: Charakteristisch für den Borchalou ist sein meist überdurchschnittlich hoher Flor und eine Blütenfülle im Muster. Der Borchalou ist ein froher und qualitativ hochwertiger Orientteppich.
Boroujerd: Der Boroujerd ist ein relativ feiner Orientteppich. Seine Farben sind meist dunkel und die Teppiche ausgesprochen strapazierfähig.
Chenar: Die Teppiche sind geometrisch gemustert, zeitlos und daher sehr beliebt.
Djozan: Der Djozan gehört zu den hochwertigen Perserteppichen. Das Innenfeld der Teppiche zeigt meist ein Mittelmedaillon mit zahlreichen umgebenden floralen Motiven. Der Djozan ähnelt dem Sarough.
Endjelas: Geknüpft werden durchlaufende Boteh- oder Mahi-Muster, gelegentlich mit einem kleinen Mittelmedaillon. Durch die sehr gute Wollqualität sind Endjelas-Teppiche besonders strapazierfähig und die langen schmalen Formate für Treppen geeignet.
Hosseinabad: Die Wolle ist aus eigener Zucht und von sehr guter Qualität, sodass er besonders strapazierfähig ist. Die Grundfarbe des Innenfeldes ist fast immer ein tiefes Rot. Das Muster ähnelt dem Mahi-Muster. Meist wird es allover geknüpft oder von einem kleinen rautenförmigen Mittelmedaillon unterbrochen, das durch entsprechende Eckzwickel bildlich ausgeglichen wird.
Mehraban: Mehraban bedeutet "Liebe mit guten Herzen". Musterlich zeigt der Mehraban-Teppich über das ganze Feld gestreute Blumen- und Blätter-Motive. Die Knüpfung ist sehr fest und aus bester Hamadan-Wolle, wodurch die Teppiche besonders strapazierfähig sind.
Nahavand: Nahavand gehört zu den ältesten existierenden Städten Persiens. Der Flor ist relativ hoch und weich. Blüten, Blätter, Zweige und Vasen gruppieren sich in stark stilisierter Form um ein Mittelmedaillon.
Nanadj: Typisch für die Teppiche aus Nanadj sind stilisierte Blütenmotive über den ganzen Teppich verteilt. Geknüpft wird mit guter Hamadan-Wolle.
Tadjabad: Die Farben des Tadjabad sind warm. Die Muster sind charakteristisch: Das Innenfeld ist mit einem Mahi- oder einem eigenständigen typischen Rapport-Muster gefüllt. Das Mittelmedaillon ist fast immer eine Raute mit zackenähnlichem Rand. Diese Raute wird in den Ecken des Teppichs wiederholt.
Tuiserkan: Tuiserkan sind robuste Teppiche. Charakteristisch ist ein beigefarbener oder schwarzer Grund, wenig gemustert, von dem sich das typische hexagonale Mittelmedaillon stark abhebt.
Geknüft wird in allen Provenienzen des Hamadan meist Brücken- und Läufergrößen mit dem türkischen Knoten. Typisch für die Hamadan-Teppiche ist, dass sie einschüssig geknüpft werden: nach jeder Knotenreihe wird ein Schussfaden eingetragen. Normalerweise werden persische Teppiche zwei- oder dreischüssig geknüft. Durch seine Ursprünglichkeit ist der Hamadan ein sehr beliebter Orientteppich.
(Abb.: Hamadan)