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Kelim

Flachgewebter, florloser Teppich 

Ein Kelim ist ein gewebter Teppich, also ein Teppich ohne Flor. Er gilt als Vorläufer der geknüpften Teppiche.

Das Wort Kelim ist mittlerweile zu einem Synonym für alle orientalischen Flachgewebe geworden. Denn eigentlich bezeichnet man nur gewebte Teppiche aus der Türkei, dem Kaukasusgebiet, Persien, Afghanistan und dem turkmenischen Kulturraum als Kelim. Somit sind etwa indische Dhurries, marokkanische Hanbel oder europäische Fleckerlteppiche keine Kelims. In fast allen Ländern, in denen Teppiche geknüpft werden, ist auch ein Teppich ohne Flor anzutreffen.

Ursprünglich wurde der Kelim nicht als Teppich in unserem Sinne gewebt, sondern er diente den Nomaden als isolierender und dekorierender Bodenbelag im Zelt oder auch als Decke am Schlafplatz. Kleine Kelim-Arbeiten werden als Zeltvorhänge, Zelttaschen, Satteltaschen oder Kissen verwendet.

Klassische Kelim bestehen nur aus Kette und Schuss und werden von Hand gefertigt. Die Kette ist meist aus Wolle oder Ziegenhaar. Bei moderneren Kelims auch aus Baumwolle. Die Musterung entsteht durch das farbige Schussmaterial, das in die Kettfäden gewebt wird. Bei klassischen Kelims besteht das Schussmaterial aus Wolle. Die Fadenenden werden mit eingearbeitet. Diese Art der Herstellung hat zur Folge, dass zwischen zwei unterschiedlichen Farbbereichen ein Schlitz im Gewebe entsteht und auch zu sehen ist. Daher wird diese Webart auch als Schlitzkelim bezeichnet.

Der Schlitz-Kelim zeigt auf beiden Seiten das gleiche Bild und ist somit beidseitig verwendbar. Aufgrund seines leichten Gewichts und seiner einfachen Konstruktion kann er zudem vielfältig eingesetzt werden, ob als Teppich, Wandbehang oder Decke. Ein Palas ist ein in Schlitztechnik hergestellter Kelim aus dem Kaukasus.

Ein Verneh ist ein Kelim mit einem Palas Grundgewebe, das fast immer in einem bläulichen Rot gehalten wird. Zusätzlich wird ein Musterfaden eingearbeitet. Der Musterfaden wird über 1 bis 3 Kettfäden geschlungen und die heraushängenden Enden in das Gewebe, zusammen mit dem Schussfaden, eingeführt. Manche Verneh werden in halbmeterbreiten Bändern gewebt und längs zu breiteren Kelims zusammengenäht.

Ein Cicim, auch Dschidschim genannt, ist ein bestickter Kelim.

Der Keci-Kelim ist ein grob gewebter Kelim aus naturbelassenem Ziegenhaar mit Streifenmuster. Er wird von den Nomaden nur für den Eigenbedarf produziert.

Der Soumakh ist ein gewirkter Kelim. Bei dieser Webtechnik wird das mustergebende Garn auf der Sichtseite des Teppichs über 4 Kettfäden geführt, dann zur Abbindung an der Rückseite um 2 Kettfäden geschlungen und an der Oberfläche mustergebend wieder weitergeführt. Die Fadenenden hängen lose an der Rückseite heraus. Ein zusätzlicher Schussfaden gibt dem Gewebe Halt. Im Gegensatz zum Schlitz-Kelim sind auf diese Art wesentlich feinere Muster möglich. Sumakhs werden speziell als Bodenbelag verwendet, da sie nur einseitig verwendbar sind und durch die spezielle Webtechnik besser vor Kälte und Nässe schützen.

Ein kleiner Tip beim Kauf eines Kelims: es ist empfehlenswert eine trittfedernde und rutschhemmende Teppichunterlage zwischen Fußboden und Kelim zu legen, denn der Kelim ist weich und verrutscht leicht.

Als Kelim wird nicht nur ein Teppich bezeichnet, sondern auch das oben und unten sichtbare Grundgewebe eines handgeknüpften Teppichs. Diese Kelimkante ist ca. 1 bis 30 cm breit und schützt den Teppich vor dem Ausfransen. Es gibt insbesondere bei den Turkmenen und Baluchen besonders künstlerisch gearbeitete Abschluß-Kelims.

(Abb.: Gashgai Schlitz-Kelim)